Devotionalien

Erst kürzlich wurde ich von Heiner, meinem besten Freund, an diese wunderbare Anekdote erinnert. Es muss fast zehn Jahre her sein. Damals war Heiner in Köln auf Wohnungssuche. Selbstverständlich begleitete ich ihn dabei. Ich kann wohl nichts Falsches sagen, wenn ich ergänze, dass wir vermutlich mit Kater und Restalkohol im Blut unterwegs waren. Wie üblich an einem Sonntag.

Wir kamen in diese Wohnung. Gut gelegen, mitten in der Stadt, unweit des berüchtigten Bermudadreiecks. Bewohnt von zwei durchaus attraktiven Mädels. Jedenfalls, soweit wir das ob unseres Zustands beurteilen konnten.  Ausgestattet mit einer gewissen “Ausnüchterungsgeilheit” empfindet man die Dinge ja zuweilen etwas verzerrt. Man tut aber auch außerordentlich Bemerkenswertes.

Bis heute weiß ich nicht genau, warum ich keine Hemmungen hatte, einfach zuzugreifen. Heiner und die Mädels waren bereits im Wohnzimmer angekommen und unterhielten sich über die Mietkonditionen, während mich irgendeine dunkle Macht im Badezimmer festhielt. Wie ein Trüffelschwein (Sie dürfen das  “Trüffel” später gerne weglassen) wurde ich instinktiv fündig, griff  blitzschnell zu, verstaute die Beute und gesellte mich unschuldig pfeifend zurück zu den anderen.

Wenig später verabschiedeten wir uns und marschierten Richtung Geldautomat, der mir als Gabentisch dienen sollte. Bereits bei der Eingabe der Geheimzahl beobachtete mich Heiner aus seinen Augenwinkeln dabei, wie ich mir etwas genüsslich vor die Nase presste. Als das Zählwerk zu rattern begann, lüftete ich mein duftendes Geheimnis und lupfte das Mitbringsel gönnerhaft auf die Tastatur.

“Was ist das?”, fragte er naserümpfend. “Ein Slip.”, erwiderte ich stolz. “Aus der Wäschetruhe der Mädels.” Ich genoss ein Gefühl des Triumphs.

“Du bist krank, Olaf!” hörte ich Heiner noch sagen, als er die Szene kopfschüttelnd verließ. “EIN GANZ KRANKER MENSCH!”.

Den Slip habe ich heute noch.

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